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Forschung von nebenan: SCEUS | Mit der Physik wirtschaften

9. Juni | 18:15 - 19:00

Das Centre of European Union Studies befindet sich am Mönchsberg.

Mit der Physik wirtschaften: Systemische Effizienz als Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit in unsicheren Zeiten

Geopolitische Konflikte, volatile Energiepreise und steigende fiskalische Belastungen legen die strukturellen Schwächen fossiler Energiesysteme offen. Viele europäische Volkswirtschaften – darunter Österreich – sind nach wie vor stark von importierten fossilen Energieträgern abhängig. Diese Abhängigkeit verursacht nicht nur hohe Treibhausgasemissionen, sondern auch erhebliche gesellschaftliche Kosten: wiederkehrende Inflationsschübe durch fossile Energiepreisschocks („Fossilflation“), milliardenschwere Kapitalabflüsse ins Ausland, geopolitische Verwundbarkeit sowie langfristige Umwelt- und Klimaschäden. Gleichzeitig steht die Klimapolitik unter politischem Druck: Instrumente wie die CO₂-Bepreisung oder der Emissionshandel werden zunehmend infrage gestellt, während kurzfristige Maßnahmen wie Steuersenkungen oder Preisdeckel diskutiert werden.

Aus Perspektive der ökologischen Ökonomie verfehlen solche Ansätze die eigentliche Herausforderung. Entscheidend ist nicht die kurzfristige Dämpfung von Preisen, sondern die strukturelle Transformation von Energie- und Produktionssystemen. Eine Wirtschaft, die stärker auf Elektrifizierung, erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft setzt, orientiert sich an physikalischen Realitäten und reduziert systemische Ineffizienzen. Investitionen in erneuerbare Energien erzeugen eine höhere inländische Wertschöpfung, verringern Importabhängigkeiten und stabilisieren die Preisentwicklung langfristig. Gleichzeitig können zirkuläre Produktionssysteme den Ressourcenverbrauch und damit die Exposition gegenüber globalen Rohstoffrisiken deutlich senken.

Stagl argumentiert, dass die Transformation zu erneuerbaren Energiesystemen und einer Kreislaufwirtschaft nicht nur klima- und umweltpolitisch notwendig ist, sondern auch eine zentrale industrie- und wirtschaftspolitische Strategie darstellt. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und volatiler Rohstoffmärkte erhöht eine solche Transformation die Effizienz von Volkswirtschaften und damit ihre Resilienz, Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Statt kurzfristiger Preisinterventionen sind stabile institutionelle Rahmenbedingungen, konsistente CO₂-Preissignale und der Abbau klimaschädlicher Subventionen erforderlich. Nur so lässt sich eine Wirtschaftsweise etablieren, die langfristig mit der Physik und der Natur im Einklang steht und dadurch ökonomisch erfolgreicher ist.

Vortragende: Sigrid Stagl (WU Wien)
Dienstag, 09.06.2026, 18:15-19:00 Uhr

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Salzburg Centre of European Union Studies, Mönchsberg 2 (Edmundsburg), 5020 Salzburg

Keine Anmeldung erforderlich!

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