Landesgeschichte unter einem Dach

Bis zum Mittelalter reichen die Archivalien im Salzburger Landesarchiv zurück und erzählen von einer ereignisreichen Vergangenheit. Was im Archivgebäude lagert, ist historisches Quellenmaterial für die Erforschung von Geschichte und Kultur des Landes.

Gleich neben der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Salzburg befindet sich ein weiterer Wissensort: das Salzburger Landesarchiv. Bis unters Dach ist das Archiv voll mit Geschichte. Dort lagern Urkunden, Grafiken, Bücher, Akten, Fotos, Handschriften, Gemeinde- und Schularchive und mehr. Vieles davon reicht zurück bis ins 12. Jahrhundert.

Im Kampf gegen die Vergänglichkeit

Damit diese Schätze auch für die Nachwelt erhalten bleiben, verfügt das Landesarchiv über eine eigene Restaurierwerkstatt, die sich als echtes High-Tech-Labor entpuppt. Hier wird nichts verschönert, sondern das Werk in seiner ursprünglichen Form erhalten. Falls nötig, kann Papier für Ausbesserungsarbeiten sogar in einem besonderen „Backofen“ um bis zu 100 Jahre gealtert werden.

Besonders viel Arbeit machen den Expert*innen hanebüchene Rettungsaktionen aus vergangenen Zeiten. Was früher schnell mit Tixo geklebt wurde, muss heute mühsam von Kleberesten befreit und restauriert werden. Ein Bad in einer Spezialmischung füllt bei zerfledderten Schriften die löchrigen Stellen mit neuen Papierfasern auf. Ausgerissene Seiten oder kaputte Einbände werden in der hauseigenen Buchbinderei händisch wiederhergestellt.

Wissensstadt Salzburg Archive

Retten, was zu retten ist: Einst angebrachte Klebestreifen müssen heute mühsam entfernt werden.

Historische Sammlungen und moderner Service

Das Archiv hütet das historische Schriftgut des ehemaligen Reichsfürstentums und Kronlands Salzburg, übernimmt und verwahrt Akten aus der laufenden Verwaltung des Salzburger Landtags, der Salzburger Landesregierung, der Bezirkshauptmannschaften und aller Gerichte in Bundesland.

Außerdem versteht sich das Salzburger Landesarchiv auch als wissenschaftliche Serviceeinrichtung für die öffentliche Verwaltung, rechtssuchende Bürger*innen und die Forschung. Jedes Jahr besuchen rund 2.300 Interessierte das Archiv.

Nachforschungen zu Haus & Hof, Werkstättenbesuch und historische Landkarten

Bei den Tagen der Archive zeigt das Salzburger Landesarchiv alle Facetten der Archivarbeit. Die Besucher*innen können sich auf Spurensuche in die Geschichte bekannter Anwesen, großer Häuser oder besonderer Gebäude begeben. Mit Unterlagen, wie Grundbüchern, alten Katastern und Plänen lässt sich die Geschichte eines Hauses teilweise Jahrhunderte zurückverfolgen. In den Werkstätten können Interessierte den Restaurator*innen und Buchbinder*innen bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken.

Die Landkarten aus der Sammlung des Salzburger Landesarchivs stammen teilweise aus dem 16. Jahrhundert. Vier Führungen bieten die seltene Gelegenheit wertvolle Originale zu sehen und zu erfahren, wie Orientierung ohne Google Maps und Navigationssysteme funktionierte. Außerdem wird ein Blick in die beeindruckenden Speicher geworfen.

Salzburger Landesarchiv
Dir. Mag. Dr. Oskar Dohle MAS
Michael-Pacher-Straße 40, 5020 Salzburg
www.salzburg.gv.at
landesarchiv@salzburg.gv.at
Tel. 0662 8042 4521

Eintauchen in die historische Vergangenheit? Von 11. bis 15. Juni 2019 finden die Tage der Archive statt.

Lange Geschichte kurz erzählt

Die Anfänge des Salzburger Landesarchivs reichen bis ins mittelalterliche Urkundenarchiv der Erzbischöfe zurück. Unter Erzbischof Max Gandolf (1668-1687) siedelte das Archiv in die Neue Residenz, wo es bis 1805 blieb. Nachdem die napoleonischen Kriege und die wechselnden Herrschaftsverhältnisse Anfang des 19. Jahrhunderts für viele Verluste in den Archivbeständen sorgten (vieles davon kam nach Wien bzw. München), wurden nach der Angliederung Salzburgs an Österreich die wichtigsten Archivalien zusammengeführt. Die eigentliche Geschichte des Landesarchivs beginnt 1875 mit der Einrichtung einer dauerhaften Archivstelle. 1941/42 übersiedelte das „Reichsgauarchiv“ ins konfiszierte Kloster St. Peter, wo es auch nach 1945 noch Räumlichkeiten nutzte. 1970 übersiedelte das Landesarchiv in das heutige Archivgebäude in der Michael-Pacher-Straße. Ende der 1980er Jahre wurde das Dachgeschoss ausgebaut. Heute finden sich dort mehr als 30.000 Laufmeter Archivalien, darunter 6.000 Urkunden, 10.000 Karten und Pläne, mehr als 500.000 historische Bilddokumente sowie unzählige Akten.