Maker machen’s möglich

Salzburgs Maker-Szene boomt: Schon kleine Tüftler*innen lernen in der Stadtbibliothek den Umgang mit 3D-Drucker & Co. Selbermacher*innen jeden Alters zeigen bei der Mini Maker Faire ihre Projekte. Maker sprühen vor Entdeckerfreude und genialen Ideen, genau deshalb sind sie unverzichtbar in einer Wissensstadt.

Die Zeiten, in denen in einer Bibliothek jedes kleinste Geräusch mit einem strengen „Pssst!“ und strafenden Blicken vom Nachbartisch geahndet wurde, sind vorbei. Längst verstehen sich Büchereien nicht mehr nur als reine Sammlungen und Ausleihstellen. Die Bibliotheken von heute sind Treffpunkte und lebendige Zentren mitten in der Stadt, mit unterschiedlichen Veranstaltungen und Aktionen.

Bibliotheken als Räume für neue Ideen

Große Bibliotheken in den USA und in Skandinavien machen es vor: Sie haben die Maker-Bewegung in ihren Alltagsbetrieb integriert und sogenannte Maker Spaces geschaffen, also Arbeitsplätze, die moderne Infrastruktur wie 3D-Drucker und Laser-Cutter bieten. Das ergänzt den klassischen Bibliotheksbetrieb und fügt das gemeinsame Tun und kreative Arbeiten als neue Aspekte hinzu. Die Salzburger Stadtbibliothek hat diesen Trend aufgenommen und lädt seit 2016 gemeinsam mit Salzburg Research und dem Verein Spektrum junge Maker zum Tüfteln, Basteln und Werken ein. Und das inmitten der Bücherregale.

„Wissensvermittlung erfolgt in Bibliotheken traditionell über Bücher und Texte, in Zukunft erfolgt die Wissensvermittlung auch über das Tun – gemäß der Einsicht, dass neues Wissen sehr oft einfach durch Ausprobieren entsteht“, erklärt der Leiter der Stadtbibliothek, Helmut Windinger

Wer sind diese Maker?

Der Begriff Maker bezeichnet experimentierfreudige Selbermacher*innen, die ganz im Sinne von Do it yourself mit digitalen und analogen Werkzeugen Neues erfinden – ob als Hobby oder Beruf. Sie treffen sich in öffentlich zugänglichen Werkstätten, sogenannten Maker Spaces, zum gemeinsamen Arbeiten. Sie sehen sich als Wissensvermittler*innen, teilen ihre Erfindungen, tauschen sich aus und lernen voneinander.

Digitales und analoges Basteln

Viele kleine Füße wuseln am Maker Day über den roten Teppichboden in der Stadtbibliothek in Lehen. Auf den Tischen liegen Werkzeug, Scheren, Kleber, Papier, Knetmasse. Wären da nicht Laptops und 3D-Drucker würde man einen normalen Bastelnachmittag vermuten.

Nach einer kurzen Einschulung greifen die Kinder wie selbstverständlich zum Werkzeug. Unter der Anleitung von Maker-Profis und Freizeitpädagog*innen designen, modellieren und experimentieren sie konzentriert vor sich hin. Dabei gibt es keine Berührungsängste mit den neuen Technologien, wohl aber eine große Portion Kreativität. So entstehen selbstgebastelte Musikinstrumente, Keksausstecher aus dem 3D-Drucker oder kleine Roboter.

„Aktionen wie die Maker Days tragen dazu bei, dass schon die Kleinen einen ungezwungenen Umgang mit neuen Technologien erlernen und sich dadurch ein Technikwissen aneignen, das zukünftig immer wichtiger wird“, erklärt Julia Eder von Salzburg Research.

Viele der Erwachsenen kommen vorbei und schauen, was die Kleinen machen. Fast alle bleiben, um zuzusehen. „Bei den Maker Days gesellen sich Besucher*innen zu den Kindern und schauen ihnen über die Schultern. Wir haben bei den Erwachsenen ein großes Interesse für neue Technologien festgestellt und den Wunsch, sich damit auseinanderzusetzen, wahrgenommen. Diese Neugier für das analoge und digitale Basteln stärkte uns in der Initiative auch in Salzburg eine Mini Maker Faire abzuhalten“, erzählt Helmut Windinger, Leiter der Stadtbibliothek.

Mitmachen bei den Maker Days

Die offene digitale Kreativwerkstatt für Kinder und Jugendliche (8-12 Jahren) findet im März 2018 jeweils freitags von 15:00 bis 18:00 Uhr in der Stadtbibliothek statt. Unter dem Motto ANALOG MEETS DIGITAL haben die Kids die Möglichkeit unter Anleitung von Maker-Profis Ideen zu entwickeln, zu werken, basteln, programmieren, fotografieren und 3D zu drucken. Jeder Nachmittag steht dabei unter einem anderen Thema. Wir waren beim ersten Termin dabei.

Salzburgs erste Mini Maker Faire

Gemeinsam mit Salzburg Research und dem Verein Spektrum veranstaltete die Stadtbibliothek Salzburgs erste Mini Maker Faire Ende April 2017 in der Tribühne Lehen. 800 begeisterte Besucher*innen aller Altersgruppen kamen und verbrachten teilweise Stunden zwischen Drohnen, Nähmaschinen, Siebdruck, Laptops und Robotern. Rund 20 Aussteller*innen präsentierten ihre DIY-Projekte aus den Bereichen Handwerk, 3D-Druck, Robotik & Drohnen, Elektronik, Modellbau, Re- & Upcycling und Mobilität. Groß geschrieben wurde auch das Mitmachen: alle Stationen luden zum Ausprobieren ein.

Dabei hat sich gezeigt, dass auch Salzburg eine gut vernetzte und kreative Maker-Szene hat. „Früher bastelte man noch alleine in Garagen und Kellern. Heutzutage sind Bastler*innen zu modernen Makern geworden, die digital miteinander vernetzt sind und das Internet hoch-professionell sowohl als Lern- als auch Präsentationmedium nutzen. In einigen Fällen ist der Schritt zu einem Startup-Unternehmen dann nicht mehr weit“, berichtet Harry Russegger von MakerTV.at, ein engagierter Beobachter der regionalen Maker-Szene.

Nach dem erfolgreichen Start im letzten Jahr, soll die Mini Maker Faire heuer im Herbst in die zweite Runde starten. Eines ist sicher: auch dieses Mal wird es wieder jede Menge coole Projekte, experimentierfreudige Maker und spannende Do-it-yourself-Projekte geben. Details für Aussteller*innen und Besucher*innen gibt es demnächst hier zu lesen.

Was ist eine Maker Faire?

Das Erfolgskonzept der Maker Faire stammt ursprünglich aus den USA und stellt keine Messe im herkömmlichen Sinn dar. Sie verbindet Handwerk, Innovation, Design und digitales Gestalten und lädt ausdrücklich zum Mitmachen ein. Maker präsentieren ihre Projekte und treffen sich zum Austausch mit Gleichgesinnten. Weltweit gibt es jährlich über 190 Veranstaltungen.

Maker beflügeln Wissensstadt

Das spielerische Auseinandersetzen mit neuen Entwicklungen und Technologien weckt bei Menschen jeden Alters die Fantasie. Für viele ist das kreative Tüfteln mehr als ein Hobby. Jungunternehmer*innen und Startups sehen in Maker Spaces den idealen Ort, um hier an ihrem Prototyp zu arbeiten und bekommen durch den Austausch mit anderen ständig neue Anregungen und Ideen. Menschen wie diese bereichern die Salzburger Forschung und Wirtschaft und sind so wesentlicher Beitrag und Inspiration für die Wissensstadt.