Uni anno dazumal

Wir haben die Zeit an der Uni sehr genossen und können darüber auch viele Geschichten erzählen. Das geht wohl allen Absolvent*innen so. Fakt ist aber, auch die Uni selbst sammelt viele Geschichten und das über Jahrhunderte hinweg. Diese werden im Archiv der Universität Salzburg verwahrt. Die Historie ist reich an Anekdoten, Erfolgsmeldungen und berühmten Absolvent*innen.

Die Hofstallgasse wird im Sommer gern als „schönster Pausenraum der Welt“ bezeichnet, schließlich ist die Prunkstraße, an der das Große Festspielhaus liegt, überall bekannt. Doch auch das Gebäude gegenüber hat eine lange Tradition. Hier befindet sich die Wiege der Salzburger Universität.

1622 wurde der Baukomplex noch als Studiengebäude bezeichnet, heute sind dort die Große Aula, die Katholisch-Theologische Fakultät, die Universitätsbibliothek mit der Bibliotheksaula und das Sacellum beherbergt. Seit 1969 befindet sich im Hofstallgassentrakt die Universitätsbibliothek, zu der auch das Archiv der Uni Salzburg gehört.

Das Archiv ist mehr als eine Aufbewahrung alter Akten, es ist Schnittstelle für Forschung und Service. Dort werden die Bücher und Archivalien der Benediktiner Universität (1622-1810) sowie das komplette Namensregister der Studierenden aus dieser Zeit aufbewahrt, außerdem zahlreiche Fotografien, Urkunden und Matriken. Der wertvolle Bücherschatz der Sondersammlung der Universitätsbibliothek lässt nicht nur in die Vergangenheit der Hochschule, sondern auch in die damalige Alltagskultur blicken. Das „Lucullarium“ ist eine Sammlung handgeschriebener Kochrezepte und gedruckter Koch- und Haushaltsbücher vom 15. bis ins 19. Jahrhundert. Andere Notizen und Aktenvermerke zeigen das Studentenleben vor hunderten Jahren.

Wissensstadt Salzburg

Schul-Geographie und andere Kuriositäten aus den Archivbeständen der Universität Salzburg.

Kuriositäten aus den Beständen

In den historischen Aufzeichnungen finden sich viele amüsante Details. So kursierten 1788 „schändliche und sittenverderbliche Bücher“ unter den Studenten. Ein Schulhalter im Nonntal beschwerte sich 1695 über einen Theologiestudenten, der den „Zaunerwirts- und Nachbarskindern Unterricht erteile und dadurch sein Stückl Brot schmälere“. Die Sommerferien im Jahr 1826 fanden von 8. September bis 3. November statt. Im 19. Jahrhundert wurden auch Disziplinarverstöße verzeichnet, von einer „Trinkgemeinschaft im Sternbräu“ oder einem „Exzeß im Gasparottischen Kaffeehaus“ ist da zu lesen. Ansonsten gibt es Meldungen über Schlägereien, Bücherdiebstähle, uneheliche Kinder und Klagen von Gastwirten über das „unbotmäßige Benehmen“ der Studenten. Dass diese Vorfälle direkt an der Uni verzeichnet wurden, wirkt heute etwas sonderbar.

Geschichten aus der Uni-Zeit

Bei den Tagen der Archiven greift der Archivleiter tief in die Bestände und stellt einige Highlights aus der Vergangenheit der Hochschule vor. Er kennt Geschichten aus jener Zeit, als die Uni selbst noch im Studentenalter war. Auf die Besucher*innen warten ausgewählte Archivalien und feine Anekdoten, gespickt mit historischen Details. Diese belegen, dass die Universität Salzburg unverzichtbarer Bestandteil des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens in Stadt und Land Salzburg ist.

Archiv der Universität Salzburg
Dr. Christoph Brandhuber
Hofstallgasse 2-4, 5020 Salzburg
www.ubs.sbg.ac.at/uniarchiv
Tel. 0662 8044 77592

Eintauchen in die historische Vergangenheit? Von 11. bis 15. Juni 2019 finden die Tage der Archive statt.

Lange Geschichte kurz erzählt

Von 1622 bis 1810 gab es in Salzburg eine alte Benediktiner Universität, bestehend aus einer theologischen, philosophischen, juridischen und medizinischen Fakultät. Mit der Eingliederung Salzburgs in Bayern 1810 wurde die Salzburger Universität aufgelöst und in ein Lyzeum umgewandelt, das von 1810 bis 1816 unter bayrischer, von 1816 bis 1850 unter der k.k. Herrschaft stand. Das Lyzeum umfasste eine theologische, philosophische und medizinchirurgische Studienabteilung, ein Gymnasium sowie ein Rektorat. Aus der philosophischen Studienabteilung ist das heutige Akademische Gymnasium hervorgegangen. Die medizinisch-chirurgische Studienabteilung wurde als Lehranstalt im St. Johann-Spital weitergeführt, 1871 jedoch aufgelöst. Aus der theologischen Studienabteilung wurde die Theologische Fakultät, die – mit Ausnahme der NS-Zeit – bis 1962 bestand. Die Alma Mater Paridiana Salisburgensis wurde nach dem Krieg 1962 wieder errichtet und schrittweise ausgebaut. 1975 wurde die Philosophische Fakultät in eine Geistes- und eine Naturwissenschaftliche Fakultät unterteilt. Das Archiv der Universität Salzburg umfasst aus allen Abschnitten der Universitätsgeschichte wertvolle Objekte: 1.054 Handschriften vom späten 8. bis zum 20. Jahrhundert, 1.428 Wiegendrucke, 2.471 Frühdrucke (1501 bis 1536) und mehr als 8.000 Signaturen.