Große Bühne auf kleinem Raum

Den Schüttkasten kennen viele Festspielbesucher*innen, denn im Erdgeschoss befindet sich das Kartenbüro des Festivals. Doch in dem ehemaligen Getreide- und Heuspeicher, der 1697 von Erzbischof Johann Ernst von Thun und Hohenstein erbaut wurde, lagert im ersten Stock fast 100 Jahre Salzburger Festspielgeschichte.

Ein Festspielbesuch ist immer ein Gesamterlebnis, schließlich wird den Gästen „von allem nur das Höchste“ geboten, getreu dem Motto der Gründungsväter. Hinter einer Aufführung stecken monatelange Planung, unzählige Handgriffe, Arbeitsschritte und Proben. Dabei sammeln sich viele Unterlagen und Materialien an, die das Archiv der Salzburger Festspiele ordnet und verwahrt: Besetzungszettel, Programmhefte, Fotos, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Skizzen, Korrespondenzen, Protokolle, CDs, DVDs sowie eine eigene Fachbibliothek. Auch so manche Requisite hat sich in das Büro des Archivs geschlichen. Masken, Kostüme oder ein weißer Stuhl aus der Oper Faust von 2016.

Gedächtnisspeicher des Festivals

Nicht nur Originale werden im Archiv der Salzburger Festspiele verwahrt, sondern auch Digitalisierung ist ein großes Thema. Auf der Website hat das Archiv eine bis 1920 zurückreichende Spielplandatenbank eingerichtet, die Auskunft über die genauen Daten der Aufführungen und über die Besetzung gibt. Das Archiv sammelt außerdem die täglichen Pressespiegel, also alle Kritiken und Berichte aus den Medien.

Als Gedächtnis der Salzburger Festspiele ist das Archiv mit vielen Fragen konfrontiert – von den Kolleg*innen genauso wie von Journalist*innen: Wie oft war dieser Künstler bereits auf der Bühne? Wann ist jene Künstlerin zum ersten Mal in Salzburg aufgetreten? In welchen Jahren stand die Zauberflöte auf dem Programm? Besonders jetzt, wenn es darum geht für das bevorstehende 100-Jahr-Jubiläum 2020 zu recherchieren und aufzubereiten.

Wissensstadt Tage der Archive

Das Archiv verwahrt Programmhefte, Besetzungszettel, Entwürfe und Presseberichte aus fast 100 Jahre Salzburger Festspielgeschichte.

„… mit Tanz und Gesang wollen wir feiern.“

Bei der Führung im Rahmen der Tage der Archive gibt es keine klimatisierten Speicher oder riesige Werkstätten zu sehen, dafür bringen sorgfältig ausgesuchte Originale und spannende Anekdoten die große Bühne zu den Besucher*innen. Das Archiv der Salzburger Festspiele lädt zu einer Zeitreise, denn anhand der Oper Ideomeneo wird ein Bogen von aktuellen zu historischen Aufführungen gespannt. Aus den Depots wird dokumentarisches Archivmaterial geholt, das die Besucher*innen hinter die Kulissen einer Festspielproduktion blicken lässt. Nicht nur Festspiel-Neulinge, auch treues Stammpublikum erfährt dabei noch viel Neues. Außerdem gibt es beim Verkauf von CDs und Programmheften von vergangenen Aufführungen Festivalgenuss zum Mitnehmen.

Archiv der Salzburger Festspiele
Mag. Franziska-Maria Lettowsky
Herbert von Karajan Platz 11, 5010 Salzburg
www.salzburgfestival.at
Tel. 0662 8045 492

Eintauchen in die historische Vergangenheit? Von 11. bis 15. Juni 2019 finden die Tage der Archive statt.

Lange Geschichte kurz erzählt

Die Salzburger Festspiele wurden 1920 von Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss gegründet und gelten als das größte und bedeutendste Festival für Oper, Schauspiel und Konzert der Welt. Reinhardt erklärte die Stadt zur Bühne und inszenierte am Domplatz das Mysterienspiel des Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes in einer Neufassung von Hofmannsthal. Das Stück ist zum Markenzeichen geworden und steht seit 1926 – mit Unterbrechungen in der NS-Zeit – am Spielplan. Von der Gründungsidee in den letzten Jahren des Ersten Weltkriegs bis hin zum Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Festival gezeichnet von einer wechselhaften Geschichte. Nach Kriegsende wurden die Festspiele wieder aufgebaut. Besonders prägend war Herbert von Karajan, der sich fast drei Jahrzehnte bis 1989, für die Internationalisierung einsetzte und den Bau des Großen Festspielhauses veranlasste.
Rasch wurden die Salzburger Festspiele ein Festival mit Weltruf. Nur die besten und renommiertesten Künstler*innen werden nach Salzburg eingeladen, diese locken auch illustre Gäste und machen alljährlich im Sommer die Kleinstadt zur Weltstadt. Seit 1995 ist Helga Rabl-Stadler Präsidentin der Salzburger Festspiele. Heute zählen die Salzburger Festspiele 206 Aufführungen in 42 Tagen an 18 Spielstätten (2018) und werden insgesamt von 260.875 Gästen aus 85 Nationen besucht. Damit ist das Festival auch aus wirtschaftlicher und touristischer Sicht von großer Bedeutung für die ganze Region.