SIR-Keynote bei MINT Salzburg: Cilia Rücker präsentiert Lernbuddy ADA
Das Scientist-in-Residence-Programm (SIR) der Stadt Salzburg holt jedes Monat renommierte Nachwuchswissenschaftler:innen in die Wissensstadt, die hier ihre Forschung mit Kolleg:innen vor Ort vertiefen. Das Stipendienprogramm führte im März 2026 Cilia Rücker nach Salzburg zur Digital Learning Research Group an den Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Salzburg, die verschiedene Aspekte des digitalen Lernens untersucht. Am Ende ihres Aufenthalts war die Kölnerin als Expertin zu Gast beim Netzwerktreffen von MINT Salzburg und gab Einblick in ihr Projekt rund um den KI-Chatbot ADA.
Rücker arbeitet an der Universität zu Köln in der AG Digitale Bildung mit Schwerpunkt KI an ihrer Dissertation. Dabei interessiert sie sich vor allem für KI-Anwendungen in Bildungskontexten. Ihr Promotionsprojekt ADA MINToring untersucht, wie KI-gestützte Lernassistentinnen zur Förderung von Lernwirksamkeit und Geschlechtergerechtigkeit im MINT-Unterricht beitragen können.
Ungleichgewicht zwischen Mädchen und Burschen
Denn auch noch heute stellen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern eine zentrale Herausforderung in MINT-Fächern dar. MINT-Berufe und -Disziplinen werden zunehmend männlich konnotiert, was dazu führt, dass Mädchen weniger Lernmotivation im MINT-Unterricht aufweisen, sich als weniger talentiert wahrnehmen und infolgedessen nach Schulabschluss viel seltener eine Karriere im MINT-Bereich anstreben.
Die Expertin für die Schnittstelle von KI, Geschlecht und Bildung plädiert dafür, bereits frühzeitig in der Bildungslaufbahn innovative und praxisnahe Ansätze zu finden, die dieser Entwicklung entgegenwirken und die Selbstwirksamkeit bei Mädchen und jungen Frauen fördern.
Gastvortrag im MINT-Netzwerk
Das 31. Netzwerktreffen von MINT Salzburg fand am 26.03.2026 in der brandneuen Pioniergarage im TechnoZ Urstein statt und stand ganz im Zeichen von Künstlicher Intelligenz. Auf Einladung des Koordinationsteams von MINT Salzburg und der Wissensstadt Salzburg stellte Cilia Rücker ihre Arbeit und erste Erkenntnisse daraus vor.

Cilia Rücker (Mitte) mit den beiden Koordinatorinnen des MINT-Netzwerks in der Pioniergarage Urstein. (c) Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer
Lernbuddy und Identifikationsfigur ADA
Rückers Projekt ADA MINToring hat bereits eine erste Testphase an Schulen hinter sich. Die Idee dahinter ist es, dass Schüler:innen der Unterstufe im Mathematik-Unterricht von einem Chatbot namens ADA unterstützt werden. Der Chatbot verrät keineswegs einfach die Lösung, sondern gibt Hilfestellung zum Lösen der Aufgaben. Technisch betrachtet ist ADA ein Custom Generative Pre-trained Transformer, sie ist also speziell auf den Einsatz als MINT-Lernassistentin und Rollenmodell angepasst. Nebenbei hat der Chatbot auch eine besondere Identität, nämlich die der britischen Mathematikerin und Informatikerin Ada Lovelace. Geboren 1815 in London, wird Ada Lovelace oft als erste Programmiererin der Welt bezeichnet. Sie erkannte, dass Computer mehr als nur Rechnen können, entwickelte u.a. eine Programmiersprache und war eine echte Visionärin.
Der Chatbot hat die Persona dieser faszinierenden Figur der Wissenschaftsgeschichte und weiß demnach nicht nur Fachliches, sondern auch Historisches aus dem 19. Jahrhundert. So können die Schüler:innen auch über Privates mit ADA chatten und sie zum Beispiel über ihre Freizeitaktivitäten befragen. ADA fungiert also nicht nur als Lernassistenz, sondern auch als Rollenmodell, welches zu vielen positiven Erfahrungen mit einem weiblichen Vorbild führt.
Dies unterstützt die Tatsache, dass ADA eine gendersensible Sprache verwendet und daher – ohne, dass es die Schüler:innen aktiv wahrnehmen – das Aufbrechen von Rollenklischees fördert.
Chatbots als Unterstützung und Ergänzung im Unterricht
Chatbots ermöglichen personalisierte Übungen, alternative oder ergänzende Formulierungen, neue Beispiele und geben Feedback unter Berücksichtigung des Vorwissens der Schüler:innen, erklärt die Forscherin die positiven Aspekte der KI-Lernunterstützung. Insofern, ist sich Cilia Rücker sicher, haben KI-Chatbots das große Potenzial Lehrkräfte erfolgreich bei der Gestaltung von gendersensiblem und chancengerechtem Unterricht zu unterstützen.
Genaueres wird die Wissenschaftlerin in den kommenden Monaten herausfinden, denn nach den Osterferien startet nach einer ersten Pilotphase die Haupt-Untersuchung an Schulen in Köln.
Mehr zum Projekt ADA MINToring gibt’s hier.
SIR-Programm setzt Impulse
Die Mitglieder des MINT Netzwerks, u.a. Forscher:innen der Universität Salzburg, FH Salzburg, PH Salzburg, Bildungsdirektion, Land Salzburg, zeigten großes Interesse an den Ergebnissen. Nach einer regen Diskussion, blieb im Anschluss noch genügend Zeit mit der aktuellen Scientist in Residence in Kontakt zu kommen.
Mit ihrem Gastvortrag verdeutlichte Cilia Rücker, worum es im SIR-Programm geht: Der Austausch über Fachdisziplinen und Einrichtungen hinweg, bringt großen Mehrwert für die in Salzburg ansässigen Bildungs- und Wissenseinrichtungen. Zugleich profitieren die internationalen Expert:innen von den Kontakten, die im Idealfall zu langfristigen Verbindungen und Kooperationen führen.
Das Scientist-in-Residence-Programm der Stadt Salzburg lädt Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen zu einem Arbeitsaufenthalt ein. Ziel ist es, eine nachhaltige Vernetzung zwischen dem internationalen Forschungsnachwuchs und Salzburger Wissenseinrichtungen zu ermöglichen. Jedes Jahr werden bis zu zehn Stipendien vergeben. Einreichen können Fachleute bis 45 Jahre, die eine PhD- oder Postdoc-Stelle an einer universitären oder außeruniversitären Forschungseinrichtung außerhalb Österreichs haben. 2026 feiert das Programm sein 20-jähriges Bestehen.
Bewerbungen für das SIR-Programm 2027 sind bis 31.05.2026 bzw. 31.10.2025 möglich. Mehr dazu.



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